Mai 2022

So lang Nix passiert, fühlt man sich sicher

Einmal Nord-Süd durch Kolumbien. Wir erleben einen bewaffneten Streik, werden ein Jahr älter und freuen uns auf deutsches Essen in Ecuador.

Gefahrene Strecke:  2´066 Km

Zeitzone: MESZ -7 Std.

Route:

Kolumbien: Turbaco - Valdivia - Poleal/San Jerónimo - Medellín/Sabaneta - La Virginia - Yumbo/Cali - Popayán - Pasto/San Fernando

Ecuador: Tulcán - Ibarra - Olmedo - Cuyuja


Was machen wir in Turbaco…


… wenn doch gerade mal 10 Kilometer weiter die wunderschöne Karibik-Stadt Cartagena liegt? Ganz einfach: Wir warten auf ein Ersatzteil aus Deutschland. Das feuchte Klima macht das heisse Cartagena für uns zu einer Besuchsstadt, aber keineswegs zu einer Campingstadt. Wir parken unseren Indi lieber in der Vorstadt Turbaco bei wundervollen Gastgebern, in einem idyllischen Garten unter grossen schattenspendenden Bäumen.


Als uns der sympathische Albeiro das Tor zu seinem Garten öffnet, machen wir uns ernsthaft Sorgen um die zwei Katzen und die vielen Hühner die hier frei herumlaufen. Keine Ahnung ob die Haustiere unsere Banda überleben werden. Schliesslich ist sie bekannt für Ihren ausgeprägten Jagdinstinkt, also behalten wir unsere Hündin sicherheitshalber an der langen Leine. Albeiro und seiner Frau Gloria, die selbst 3 Hunde besitzen, gefällt dies jedoch gar nicht. Wir sollen Banda bitte frei lassen. Dass sie den Hühnern und Katzen nichts tun darf, das wird sie schnell lernen. Jan und ich zweifeln, lassen aber unseren Hund nun in der grosszügigen Gartenanlage frei laufen. Und tatsächlich, mit jedem lauten „NEIN“ beim angedeuteten Anlauf auf die Viecher lernt Banda, dass es verboten ist Jagd auf Huhn und Katze zu machen. Letztendlich begnügt sie sich mit der Jagd auf kleine Eidechsen zwischen den Holzstapeln. Die neue Hühnerliebe geht sogar so weit, wenn Albeiro mit dem Kübel voll Hühnerfutter laut „putt putt putt“ rufend über den Rasen kommt, tut unsere verfressene Banda so als wäre sie ein Huhn, mischt sich unter das hungrige Federvieh und hofft ein paar Maiskörner abzubekommen.


Der Chef des Camping „La Pradera“ ist nicht nur „Hühnerhalter“, sondern auch Tennislehrer. Er hat sich sogar seinen eigenen Tennis-Court in den Garten gebaut. Es ist der einzige Sandplatz weit und breit und darauf ist er mächtig stolz. So kommt es, dass ich (Marita) mich zum ersten Mal in meinem Leben wage, eine Tennisstunde zu nehmen. Da Albeiro meint ich wäre ein Naturtalent, wird aus einer Tennisstunde eine zweite. Obwohl wir bereits Morgens um 08:00 Uhr trainieren, ist die Hitze für mich kaum auszuhalten und mein Kreislauf sagt leider „Stopp“ zu den Strapazen auf dem Tennisplatz. Auch Jan versucht sich im Tennis, aber wegen seines schmerzendes Knies und der lädierten Hüfte ist er leider gehandikapt. 


Endlich ist es soweit: die Australierin Elisabeth kann ihr aus Europa verschifftes Fahrzeug aus dem Hafen-Zoll holen. Da drin befindet sich das von uns sehnlichst erwartete Ersatzteil: die Getriebekurbel für unsere defekte Thule-Markise. Mehr als eine Woche haben wir hier in Turbaco darauf gewartet und jetzt können wir sie endlich einbauen.


Nach 10 Tagen auf dem Camping „La Pradera“ verabschieden wir uns von unseren lieben Gastgebern Gloria & Albeiro und unserer Reisefreundin Elisabeth. Für uns geht es nun wieder südwärts und zwar in Richtung Medellín.

Vielen Dank an Albeiro und Gloria für die wunderbaren Tage auf Eurem so schönen Grundstück.

Albeiro und Gloria in ihrem Garten

Es gibt viel Schatten, so ist die Hitze etwas erträglicher 

Es wird gearbeitet - unsere Markise bekommt das neue Kurbelwerk eingebaut


Alle Hühner haben unsere Banda überlebt.

Wie uns ein Drogenbaron zum Verhängnis wird


Am Abend des 4. Mai erreichen wir das Bergdorf Valdivia. Nach der anstrengenden Hitze im küstennahen Tiefland freuen wir uns heute auf eine kühlere Nacht auf 1‘100 Höhenmetern. Valdivia ist ein typisch kolumbianisches Dorf. Abends befinden sich viele Menschen auf den Strassen, die Geschäfte sind offen, die Männer sitzen in den Strassen-Cafés und die Kinder spielen zusammen in den Gassen. Wir lieben dieses Südamerika - hier findet das Leben auf der Strasse statt.


Am Morgen des 5. Mai ist das Dorf jedoch wie ausgestorben. Ich (Marita) gehe mit dem Hund Gassi und wundere mich extrem über die ungewöhnliche Ruhe im Ort. Es ist bereits 09:00 Uhr und kein Mensch auf der Strasse. Sämtliche Geschäfte sind geschlossen und selbst die sonst gutbesuchten Cafés haben ihre Türen verriegelt. Was ist hier los? Zurück im Indi erzähle ich Jan von der Geisterstadt und mutmasse, dass es am regnerischen Wetter liegen könnte. Egal… wir machen jetzt Frühstück und dann fahren wir weiter in Richtung Medellín.


Als wir den Motor starten, rennt ein Mann auf uns zu der uns etwas sagen möchte. Wir lassen das Fenster runter und erfahren Schreckliches. Keinesfalls dürfen wir jetzt losfahren. Nie und nimmer sollen wir uns heute auf der Strasse blicken lassen. Es wurde ein „paro armado“ (bewaffneter Streik) ausgerufen, der unter allen Umständen einzuhalten ist. Wir verstehen nicht. Ein paro armado? Gestern Abend wurde der Drogenbaron Otoniel an die USA ausgeliefert. Seine Anhänger drohen nun mit Gewalt und haben das kolumbianische Volk dazu aufgerufen in den Häusern zu bleiben, nicht auf die Strasse zu gehen und sämtliche Geschäfte geschlossen zu halten. Hält man sich nicht daran, wird einem das Fahrzeug angezündet oder man findet sich 2 Meter tiefer unter der Erde wieder (so die Drohung). Die Strecke die wir gestern Nachmittag gefahren sind, ist heute durch brennende LKWs total gesperrt. Heute gibt es dort kein Durchkommen mehr.


Der Mann selbst sei auch arg betroffen. Er ist beruflich in Valdivia und in einer Pension untergebracht. Ab heute bekommt er weder was zu trinken noch zu essen. Einkaufen geht auch nicht, da sämtliche Läden zu sind.


Poah… so haben wir uns die Fahrt nach Medellín nicht vorgestellt. Ein „paro armado“… was machen wir jetzt? Wir suchen die Orts-Polizei und bitten um Rat. Tatsächlich erwischen wir einen Streifen-Polizisten auf dem Motorrad, der uns aufklärt. Der bewaffnete Streik gilt für die komplette Strecke zwischen Montería (244km nördlich von Valdivia) und Yarumal (37km südlich von uns). Wir erzählen dem Polizisten dass wir nach Medellín weiter wollen und nicht 5 Tage warten möchten. Wir fragen ob es nicht eine Alternative für uns Touristen gibt. Der Uniformierte sagt, wenn wir unbedingt weiter wollen, müssen wir jetzt sofort losfahren und unter allen Umständen möglichst schnell die Sperrzone südwärts verlassen. Aktuell habe es noch von Süden her kommende Fahrzeuge, die wieder nach Medellín umdrehen. Wenn wir die nächste Polizeistation südwärts erreichen, können wir uns in diese Fahrzeugkolonne einreihen. Jan und ich schauen uns fragend an. Wie sicher ist es, dass wir diese Station erreichen? 80% schätzt der Polizist. Wir riskieren es. Jan und ich rennen zum Auto und geben dem Mann Bescheid, der uns gewarnt hat. Wir warten noch kurz bis er seine 7 Sachen aus der Pension geholt hat und ergreifen dann zu dritt im Indi die Flucht. Als wir den Motor starten und durch das wie ausgestorben wirkende Valdivia fahren, sehen wir finstere Gesichter aus den Fenstern blicken. Wir merken, dass die Menschen die hier leben den bewaffneten Streik sehr ernst nehmen und an deren Mimik ist abzulesen, dass sie keinesfalls in unserer Haut stecken wollten.


Mit einem mulmigen Gefühl biegen wir auf die Gott-verlassene Hauptstrasse ein und fahren angespannt und stillschweigend in Richtung Süden. Als wir 20 Minuten später ohne weitere Vorkommnisse den Polizeiposten erreichen fällt uns ein Stein vom Herzen. Puh, wir haben’s geschafft. Wir sind raus aus der Gefahrenzone. Die Polizei bestätigt uns ab hier freie Fahrt nach Medellín. Ab dieser Stelle fahren wir vorbei an Zig LKWs die sich in Richtung Norden stauen. Die Chauffeure müssen nun grosse Geduld beweisen, denn die nächsten 5 Tage sind sie gezwungen hier zu warten bis es weitergeht.


Bereits 86 Kilometer südlicher, nämlich in Santa Rosa de Osos, beschliessen Jan und ich doch nicht direkt nach Medellín zu fahren, sondern eine Abkürzung durch die Berge nach Santa Fe de Antioquia zu nehmen. Deshalb lassen wir den uns sehr dankbaren Herrn aus Medellín aussteigen. Er ist wie auch wir sehr glücklich aus Valdivia rausgekommen zu sein und wird auf die letzten 75km den Bus nehmen.


Jan und ich fragen (wie immer vor Reise-Antritt auf Nebenstrassen) bei diversen Personen und Polizisten nach, ob die Strecke durch die Berge nach Santa Fe de Antioquia okay ist. Wir bekommen grünes Licht und biegen jetzt von der Hauptstraße in Richtung Westen ab. Eine sich um sanfte Hügel windende Strecke führt uns über San Pedro de los Milagros und El Tambo bis nach Poleal, wo wir neben der Kirche übernachten. Im kleinen Dorfladen kaufen wir etwas ein und unterhalten uns mit Männern und Frauen die hier leben. Die Welt scheint hier in Ordnung und der paro armado weit weg.

Am nächsten Morgen fahren wir auf der unbefestigten Strasse weiter entlang steiler Hänge und leider mit wenig Aussicht, da die bewaldeten Berge nebelverhangen sind. Im nächsten Dorf endet unsere Fahrt vor einer Strassenbaustelle. Wir müssen umdrehen und fragen, ob es eine Alternativroute gibt. Die Frauen sehen uns erschrocken an. Was??? Ihr wollt über San Jerónimo nach Santa Fe de Antioquia? Ausgeschlossen! Die Einheimische wirkt panisch. Habt Ihr nicht von dem paro armado gehört? In San Jerónimo wurde und wird auf Menschen geschossen, die sich den Anordnungen der Otoniel-Anhänger widersetzen. Ihr müsst sofort stehen bleiben und wenn Euch euer Leben lieb ist versteckt Ihr Euch im Auto. Wir fassen es nicht. Wir sind gestern doch erfolgreich aus der Roten Zone geflüchtet. Aber dem ist nicht so. Wie wir in den Kolumbianischen Nachrichten lesen und den Sozialen Medien entnehmen können, ist das Gebiet des „Clan del Golfo“ riesengross und wir stecken immer noch im südlichen Randgebiet. Hatten wir nun Glück, dass wir auf unserem Weg aufgrund einer Strassenbaustelle nochmal umdrehen mussten und in San Jerónimo nicht direkt in einen Schusswechsel geraten sind…? Das Städtchen San Pedro de los Milagros, das wir gestern passiert haben, wurde inzwischen sogar mit brennenden Fahrzeugen versperrt. Wir können also weder vorwärts, noch zurück. Es bleibt uns nichts anderes übrig als hier stehen zu bleiben und zu hoffen, dass keiner eine Brandbombe in unser Auto wirft.


Immerhin dürfen wir beim Nachbarhaus das Internet anzapfen, so bleiben wir über das weitere Geschehen auf dem Laufenden. Bevor wir ins Bett gehen richten wir einen „Notfall-Rucksack“ mit den wichtigsten Sachen (wie Bargeld, Pässe, Mobil-Telefon) her und legen ihn griffbereit für eine mögliche schnelle Flucht parat. Wir haben Angst, dass uns die Otoniel-Anhänger entführen könnten. Denn mit ausländischen Geiseln kann man auf die Regierung grösseren Druck ausüben, als mit einem sogenannten bewaffneten Streik (so glauben wir).


Nach einer unruhigen Nacht nehmen wir telefonisch Kontakt mit der Polizei-Dienststelle im 13km entfernten San Jerónimo auf. Wir sprechen mit dem Kommandant persönlich und er verspricht uns, bis morgen (Sonntag, 8. Mai) eine Lösung zu finden. Wir sollen auf seine Anweisungen warten.


Der Samstag ist lange. Wir können Nichts tun. Wir sprechen mit den Bewohnern der wenigen Häuser, die  wie wir ebenfalls festsitzen und 5 Tage warten müssen, bis der paro armado vorbei ist. Sie informieren uns ständig über schreckliche Neuigkeiten, die sie von ihren Freunden und Bekannten aus den betroffenen Regionen erhalten. Immer wieder fallen Schüsse und werden Fahrzeuge in Brand gesteckt. Niemand traut sich sein Heim zu verlassen und alle halten sich an die Befehle des Clan del Golfo. 


Nach einer weiteren angespannten Nacht erhalten wir morgens um 07:30 Uhr eine WhatsApp-Nachricht aus San Jerónimo. Der Polizei-Kommandant bittet, wir sollen uns bereit halten. In Kürze wird ein Hubschrauber die Region überfliegen und die Lage klären. Wenn es in unserer Zone ruhig ist, müssen wir sofort los fahren. Uns wird ein Polizeitrupp aus San Jerónimo entgegen fahren, den wir auf halber Strecke treffen werden. Der Kommandant gibt uns die Anweisung so zügig wie möglich die Berge runter zu fahren, die Fenster geschlossen zu halten und keinesfalls anzuhalten. Er wird sich bei uns melden, sobald es los geht.



Ich montiere vorsichtshalber die Schweizer Flagge am Auto. Ausländer hin oder her, aber wir wollen nicht mit den US-Amerikanern verwechselt werden. Oft werden wir in diesen Ländern auch mit dem Roten Kreuz verwechselt. Vielleicht ist diese Massnahme das Quäntchen Glück im allfälligen Unglück, man weiss ja nie…

Eine gute Stunde später hören wir die Rotoren des Hubschraubers. Er kreist über das Gebiet das wir durchfahren werden. Mit unserem Bärenspray in der Hand (haben wir noch aus Kanada) sind wir bereit für die Flucht. Das Handy piept. JETZT LOSFAHREN! Mit gemischten Gefühlen machen wir uns auf den Weg. Wir sind sehr konzentriert und beobachten jede kleine Bewegung entlang der Strasse. Per WhatsApp stehen wir in direktem Kontakt mit dem Polizei-Trupp, der uns entgegenfährt. Wir sollen regelmässig unseren Standort melden. Dafür schalten wir die Funktion „Live-Standort teilen“ ein. Die Polizei macht das ebenfalls und so können wir verfolgen wie schnell wir uns unseren Rettern nähern. Nach einer weiteren Spitzkehre sehen wir sie. Es sind 3 schwer bewaffnete Polizisten auf 2 Motorrädern, bereits wieder zur Abfahrt bereit. Sie fackeln nicht lange, kein grosses Hallo oder sonst ein Austausch. Der einzelne Motorradfahrer fährt voraus, wir hinterher und die anderen beiden bilden das Schlusslicht. Sehr zügig nähern wir uns jetzt San Jerónimo. Als wir durch das Städtchen fahren, ist es wie in Valdivia: eine Geisterstadt. Keine Menschenseele auf der Strasse, alle Geschäfte verbarrikadiert und die Cafés und Restaurants mit verriegelten Türen. Wir erreichen die Hauptstrasse, die Hauptverbindung zwischen Santa Fe de Antioquia und Medellín. Ohne wirklich zu stoppen rufen uns die Polizisten zu, wir können hier auf die Autobahn auffahren. Sobald wir durch den Tunnel durch sind, seien wir in Sicherheit. Bis dahin gilt „Gas geben und nicht mehr anhalten“.

Unser Indi ist das einzige Fahrzeug in Richtung Medellín. An diesem Sonntag eine Autobahn für uns ganz alleine. Nur auf der Gegenfahrbahn kommt uns ein Konvoi von Militärfahrzeugen entgegen. Nach weiteren 24 Kilometern haben wir es geschafft. Wir lassen den knapp 5km langen Tunnel hinter uns und fahren hinaus in die Freiheit. Die Großstadt Medellín liegt vor uns. Ein Glücksgefühl beflügelt uns wie wir es schon lange nicht mehr hatten. Wir sind froh, diese Situation so gut überstanden zu haben.

Ausgestorbene Autobahn - wir flüchten durch den Tunnel in Richtung Medellín. Man beachte: die Schweizer Flagge ist immer noch in Position - man weiss ja nie…

Hintergrundwissen: 

Der 50-jährige Dario Antonio Úsuga David, genannt „Otoniel“ wurde bereits im Oktober 2021 im Nordwesten Kolumbiens festgenommen und daraufhin in der Kolumbianischen Hauptstadt Bogotá inhaftiert. Er war Kolumbiens meistgesuchter Drogenboss und oberster Chef des Drogenkartells „Clan del Golfo“. Ihm wird nicht nur Drogenhandel, sondern auch Mord, Erpressung, Entführung, Verschwörung und die Rekrutierung Minderjähriger vorgeworfen. Bis zu seiner Auslieferung am Abend des 4. Mai an die USA, stand Otoniel auf der Liste der meistgesuchten Personen der US-Drogenbehörde. Kolumbien produziert weltweit am meisten Kokain und die USA sind seine grössten Abnehmer.



Zahlen aus dem Jahr 2020: 

Kolumbien produziert rund 1’000 Tonnen Kokain. In Kolumbien kostet ein Kilo Koks im Durchschnitt 2‘500 €. Während in Deutschland für 1 Kilogramm etwa 40‘000 € verlangt wird.

An solche Werkstätten haben wir uns unterdessen gewöhnt - hier wird vielfach gute Arbeit geleistet. Man versucht gerade aus den Einzelteilen ein Getriebe wieder zusammenzusetzen. Zu viert klappt das ganz gut.

Beim Mechaniker in Cali


Im Juli 2016 waren wir mit unserem Indi, nördlich der Salsa-Stadt Cali, bei einem äusserst kompetenten KFZ-Mechaniker. Die Auto-Werkstatt „JJR Automotriz“ soll uns auch diesmal bei kleineren Reparaturen helfen.

  • Vorne rechts hören wir ein Pfeifen => der Werkstatt-Chef Jhon Jairo kann Nichts finden
  • Hinten links haben wir ein Schleifen => die Steckachse ist locker

Das Radlager in der Hand, die Steckachse eingespannt. Leider hat es zu viel Spiel zwischen den beiden Teilen.

  • Die Lenkung hat etwas Spiel => die Spurstange ist ausgeschlagen
  • Unser Motor zeigt einen leichten Leistungsverlust => a) der Luftfilter ist voll und b) wir haben Ölablagerungen im Turbo-Ladeluftkühler und eine Reinigung ist notwendig
  • Das Kennzeichen-Licht hat einen Wackelkontakt => Reparatur hat nicht geholfen




Der Ladeluftkühler muss runter - hört sich leicht an, aber hierfür muss die ganze Front vom Indi demontiert werden.

  • Das Zusatzschloss der Schiebetür ist wieder mal weggebrochen => wird nun angeschraubt (und nicht mehr geklebt)

Ein schreckliches Geräusch, wenn sich der Bohrer in das Metall vom Indi fräst. Aber es muss sein, die Türsicherung soll ja nicht zur Zierde an der Schiebetür hängen.

  • Die Schiebetür hängt schief und geht bei Fahrzeug-Verschränkungen selbsttätig auf => Schiebetür wird neu ausgerichtet

Dann die grösste Diskussion: die Ausrichtung der Schiebetür. Nur, wie geht das am Besten? Seit ein „Spezialist“ in Pasto die Tür gerichtet hat, war die Passgenauigkeit noch schlimmer. Also auf ein Neues - diesmal auch mit meiner Hilfe :-)

Das grösste Problem ist die Steckachse hinten links. Diese haben wir letztes Jahr schon in Paraguay reparieren lassen, hat aber nicht lange gehalten. Nun muss eine neue her. Leider müssen wir dieses Ersatzteil in Europa bestellen und bis es tatsächlich geliefert wird, das kann ein paar Wochen dauern. Nun gut, es ist zum Glück noch nicht so dringend und die alte Steckachse tut‘s ja noch. Sie hat bis Juli Zeit nach Cali zu kommen, denn dann werden wir aus Ecuador nach Kolumbien zurückkehren.


Kurze Anmerkung: Vielleicht denkst Du, wir könnten uns sicher die ein oder andere Reparatur sparen, wenn wir uns in den letzten Jahren nicht immer gerade die ruppigsten Wege ausgesucht und unseren Indi besser geschont hätten. Aber das wollen wir ja gar nicht. Lieber öfter mal in eine Werkstatt, als auf eine „Adventure-Tour“ verzichten ;-)


Die Stadt Cali liegt auf einer Meereshöhe von etwa 1‘000 Meter. Wir könnten zwar auf dem Werkstatthof übernachten (was wir auch ein Mal machen), aber uns ist es dort zu heiss und es gibt zu viele Stechmücken. Wir fahren übers Wochenende nach „Dapa“ in die Berge. In dem rund 800 Meter höher gelegenen Dorf ist uns das Klima schon wesentlich angenehmer. Dort kennen wir (noch von 2016) eine hervorragende Pizzeria. Diese hat einen herrlich grossen Garten mit Aussicht über die grünen Hügel der Umgebung. Der Besitzer Alex Grun mit österreichischen Wurzeln heisst uns herzlich Willkommen und lädt uns ein so lange zu bleiben wie wir wollen. Das machen wir gerne, denn nicht nur uns gefällt es hier sehr, auch Banda ist glücklich, dass sie auf dem übergrossen Gelände mit anderen Hunden nach Herzenslust rumtoben darf.

Fahrt nach Ecuador


Am 15. Mai kehren wir der Stadt Cali den Rücken und machen uns weiter auf den Weg in Richtung Süden. Unser 3-Monats-Visum läuft am 23. Mai aus und wir wollen nicht auf den letzten Drücker nach Ecuador ausreisen. Man weiss ja nie was noch alles dazwischen kommt…


Bereits am Nachmittag erreichen wir die „weiße Stadt“ Popayán. Früher einmal hatte man die Häuser weiß gekalkt, um Seuchen zu unterbinden. Bis heute erstrahlen die teils vierhundert Jahre alten Häuser in gleißendem Weiß und man nennt die Stadt deshalb auch „La Ciudad Blanca“. Da Wochenende, ist hier mächtig was los und in Kolumbien sind Feste und Feiertage stets mit ohrenbetäubend lauter Musik verbunden. Darum verlassen wir für die Nacht Popayán und fahren 15 Kilometer weiter in ein ruhiges Dorf.


Am nächsten Morgen, kaum wieder auf der Route gen Süden, sehen wir im Rückspiegel unerwartet ein Wohnmobil mit deutschem Kennzeichen. Was für eine Überraschung nach so vielen Wochen endlich mal wieder Overlander zu treffen. Rechten Blinker setzen und anhalten. Wir lernen Claudia und Achim aus Oberbayern kennen. Wir verstehen uns auf Anhieb prima und verratschen uns am Strassenrand für ganze 2 Stunden. Die beiden waren früher schon mit Motorrad in Südamerika und sind jetzt seit 4 Wochen mit dem Wohnmobil in Kolumbien. Wir werden Claudia und Achim bei Hans in der Finca Sommerwind wieder treffen und einige gesellige Stunden miteinander verbringen.


Der unglaublich viele Regen hat weitere Bergrutsche ausgelöst und auf der Hauptachse zwischen Popayán und Pasto eine Brücke zerstört. Die Polizei hat eine 125km lange Umfahrung durch die Berge eingerichtet, welche auch von den unzähligen LKW‘s richtungswechselnd im 12-Stunden-Takt genommen werden muß.


So kommen wir am Abend des 17. Mai, müde von der anstrengenden Fahrt, bei unseren Freunden in Pasto an. Zwei Tage später fahren wir über die Grenze nach Ecuador. Noch ein kurzer Halt am einzigartigen Friedhof von Tulcán und eine Übernachtung in Cristóbal Colón und schon sind wir zum dritten Mal auf DEM Overlander-HotSpot in Ecuador: nämlich bei Hans auf der „Finca Sommerwind“. Erst am 29. Mai verlassen wir Ibarra wieder, um in Richtung Amazonas aufzubrechen. Was wir dort erleben, berichten wir im Juni-Bericht.

Es gibt Grund zu feiern


Mein Geburtstag am 9. Mai ist dieses Jahr etwas ganz Besonderes. Nicht nur die Tatsache, dass wir Tags zuvor dem „paro armado“ entkommen sind, sondern auch mein halbes Jahrhundert währendes Dasein auf dieser Erde ist Grund genug zu feiern. Sekt und Mandel-Croissant zum Frühstück, Torte mit Kerzen am Nachmittag, kühles Bier und Rinds-Filet am Abend. Trotz des Donnerwetters zur Mittagszeit genieße ich den Tag in Sabaneta und freue mich über die vielen Glückwünsche, die mich an diesem Tag aus aller Welt erreichen.


Wie vorab geplant verbringen wir Jans Geburtstag am 26. Mai im „Café Aleman“ in Ibarra. Wo sonst in Ecuador hat man die Möglichkeit seinen Geburtstag mit Weißwurst, Laugenbrezeln und Weizenbier zu beginnen? Hans überrascht Jan mit „Happy Birthday“ aus der Jukebox und serviert Schwarzwälder-Torte mit Sternwerfer. 

Jans grösster Wunsch zu seinem Geburtstag ist der Kinobesuch zur Vorpremiere des Films „Top Gun ll“ mit Tom Cruise. Diesen Herzenswunsch erfülle ich ihm gerne und so finden wir uns bereits am 21. Mai um 13:50 Uhr zur allerersten Vorführung der Vorpremiere in einem leeren und Lautstärke-technisch völlig übersteuerten Kinosaal wieder. Trotz spanischer Sprache und beinah-Gehörsturz übertrifft der Streifen unsere Erwartungen. Die Flugszenen sind extrem gut gefilmt und die Story knüpft an „Top Gun l“ von 1984 an. Wir kommen so euphorisch aus dem Kinosaal, dass Jan gleich in der Shopping Mall nebenan sich Geburtstagsgeschenk Nummer 2 gönnt: Eine echte RayBan-Fliegerbrille. Sieht er nicht gut aus damit?


Nochmal ein herzliches Dankeschön an Alle, die an uns und unsere Geburtstage gedacht haben. Es ist schön zu wissen, dass man nicht ganz vergessen wird.

Marita verpasst den Anfang des Films, nur um ihre heissgeliebten Popcorn zu organisieren. Kino ohne Popcorn? Geht gar nicht!

Eine gewisse Ähnlichkeit kann man doch ausmachen - oder…?

Neuer Rekord


Im Mai gibt es einen Tag, an dem wir insgesamt 31 Bananen im Auto haben. 26 süße und 5 Kochbananen müssen wir in den nächsten Tagen vertilgen. Damit es nicht noch mehr werden, müssen wir weitere Bananengeschenke sogar ablehnen. Wenn Du unseren April-Bericht gelesen hast, weisst Du bereits wie gastfreundlich und geschenkfreudig die Kolumbianer sind. Darum wollen wir heute nicht weiter darauf eingehen.

mbo

Plan Juni 2022

Wir drehen eine Runde durch Ecuador. Erst Richtung Amazonas, dann Richtung Pazifikküste…

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