Oktober 2021

Der Indi ist wieder fit

Unser Indi ist wieder topfit, so können wir uns im Oktober dem gesellschaftlichen Leben widmen und uns auf die Ausreise nach Bolivien konzentrieren.

Gefahrene Strecke:  2´825 Km

Zeitzone: MESZ -5 Std.

Route:

Paraguay: Hasta la Pasta, Altos - Fernando de la Mora - Colonia Independencia - Hohenau - Obligado - Bella Vista - Hasta la Pasta, Altos - Filadelfia - Loma Plata - Neuland

Bolivien: Villamontes - Tarija - Valle de Concepción - Tupiza

Bei guten Freunden zuhause


Unter diesem Motto kann man gut und gerne unseren Aufenthalt in der Region um die Orte Hohenau, Obligado und Bella Vista beschreiben. Bereits im August hatten wir Bekanntschaft mit den Krugs gemacht. Du erinnerst Dich? Die Familie Krug gehört zu den Gründern von Hohenau.

Insbesondere der Gastfreundschaft von Osvald und Romy haben wir es zu verdanken, dass wir einen besonders idyllischen Ort für eine Weile unser Zuhause nennen dürfen. Am Ortsrand von Obligado hat Osvald ein kleines ehemals sumpfiges Grundstück in ein Fischerparadies verwandelt. Mit etlichen Teichen und einem Häuschen mit Terrasse hat er sich ein schönes Feierabend- und Wochenend-Domizil errichtet. Er und seine Söhne nutzen es aber leider viel zu selten sagt er uns. So beleben wir den hübschen Ort, hängen unsere neue Hängematte auf und fühlen uns pudelwohl.


Gemeinsam mit Romy und deren Freundin Lydia backen wir Zopf und kochen Marmelade ein. Das gemeinsame Essen mit einem oder zwei Schlückchen Wein schliesst diesen kurzweiligen Tag ab.


Anderen Tags kommen Romy und Osvald mit ganz anderen Aufgaben zu uns. Während Romy mit ihrer Nähmaschine unsere Kissenbezüge auf die richtige Grösse umnäht, misst Jan mit Osvald unseren Sprinter aus. Osvald hat sich nämlich kürzlich (inspiriert durch unseren Indi) einen nigelnagelneuen Sprinter gekauft und möchte diesen möglichst schnell zum Wohnmobil ausbauen. Unser Indi dient ihm als Vorlage, denn nie zuvor habe Osvald einen besseren Kastenwagenausbau gesehen.

Die Fischteiche von Osvald - ruhig, idyllisch, ein Paradies für Banda.

Wir geniessen die warmen und schönen Tage auf dem Grundstück.

Die Frauen backen Zopf - einmal nach Schweizer, und einmal nach Deutscher Art.

Das Resultat kann sich sehen lassen

Romy bem Nähen…

Jan inspiziert mit Osvald dessen neuen Sprinter.

Ein Highlight ist unser unerwarteter Besuch beim Immigrantenfestival in Hohenau. Eigentlich waren wir mit Osvald & Romy bereits auf dem Weg in ein gutes Restaurant, als Osvalds Bruder Lauro uns kontaktiert und zum Immigrantenfest beordert. Gesagt, getan… ab zum Festplatz und rein ins Gewimmel. Folgende Länder sind auf dem Gelände vertreten: Belgien 🇧🇪, Italien 🇮🇹, Polen 🇵🇱, Brasilien 🇧🇷 und selbstverständlich Deutschland 🇩🇪. Das Schweizer Haus 🇨🇭 war leider geschlossen.

Sinn und Zweck dieses Festivals ist es gemeinsam die verschiedenen Kulturen zu zelebrieren. Nebst der Wahl von Schönheitsköniginnen wird jeweils länderspezifische Musik gespielt und die Menschen tragen stolz ihre Landes-Trachten. Jedes Länder-Haus bietet typische Speisen an. Ein Grund mehr schnurstracks ins Deutschland-Haus zu marschieren. Nebst Eisbein mit Sauerkraut und Bratwurst mit Kartoffelsalat wird deutsch-charakteristisch Kaffee & Kuchen angeboten. Das Bier kommt vom Fass und läuft in Strömen.

Wir hatten einen wunderbaren Abend mit Osvald & Romy und Lauro & Teresa und vielen anderen Nachkommen deutscher Auswanderer.


Zum Abschluss unseres Aufenthaltes im Südosten Paraguays laden uns die Krugs auf ein traditionelles „Spitzfleisch“ mit Fleisch vom Spiess und Chipas ein. Chipas? Hatte ich die schon erwähnt? Die Chipa ist ein traditionelles Gebäck aus Maniokstärke oder Maismehl, das bei keiner Mahlzeit fehlen darf. Chipas werden überall auf den Strassen verkauft und kiloweise von den Paraguayern verzehrt. Keine Chipa schmeckt jedoch so gut wie die selbstgebackenen von Romy.

Das Schweizerhaus war leider aufgrund der Covid-Situation geschlossen.

Dafür ist das Deutsche Haus offen - und da sind schon die ersten Besucher.

Auf dieses Essen wollen wir natürlich nicht verzichten …

Das Zelt füllt sich und es ist wie in Deutschland: Schunkel-Musik, Bier, gute Stimmung … Im Bild die Gebrüder Krug mit Ihren Frauen.

Und das ist Spitzfleisch - Fleisch vom Spiess. Ein traditionelles Sonntags-Essen.

Wiedersehen macht Freude


Wer unsere Reise verfolgt und unsere Berichte liest kennt bereits Patricia & Stefan. Unter dem Namen „ExplorerSouls“ reisen sie mit ihrem Paco (einem Ford Transit) durch die Amerikas in Richtung Norden.

Die beiden haben es uns gleichgetan und sind aus Argentinien nach Paraguay eingereist. So steht einem dritten Wiedersehen nichts mehr im Wege. Wir haben uns viel zu erzählen und verbringen eine spassige Zeit miteinander.


Übrigens, im Juli waren wir mit den ExplorerSouls auf gemeinsamer Fahrt. Patricia & Stefan haben über diese ein-wöchige Tour durch den Nordwesten Argentiniens einen Film gedreht und auf YouTube veröffentlicht. Du willst ihn ansehen? Hier der Link: https://youtu.be/ARiSGhg01dc

Gefährliche Tigermücken rücken uns auf die Pelle


Das Klima in Paraguay ist subtropisch bis tropisch, genauso wie Moskitos es lieben. Kein Wunder werden wir mehrfach von diesen lästigen Biestern attackiert. Es geht uns nicht nur um die Gegebenheit, dass die Stiche schmerzen und noch lange jucken. Viel schlimmer ist die Tatsache, die Viecher können schlimme Virus-Krankheiten wie z.B. Gelbfieber, Zika, Dengue oder Chikungunya übertragen. Wir hoffen sehr, dass die Stechmücken die uns gestochen haben, virusfrei waren.


… wobei wir wieder mal beim Thema Virus wären…

Im Chaco treffen wir erneut die Kämpferin Verena Regehr


Auf unserem Weg zur Bolivianischen Grenze durchqueren wir erneut das Gebiet des Gran Chaco. Keine Frage wollen wir noch einmal unsere Verwandte treffen. Verena Regehr, die Cousine von Jans Mutter, kämpft im Chaco gegen Abrodung und für den Lebensraum der indigenen Bevölkerung. Auch heute noch, im Jahr 2021, gibt es inmitten des Chaco ein Volk das den Kontakt zur modernen Welt vermeidet. Diese Menschen müssen geschützt werden. Verena Regehr leistet hier einen riesengrossen Beitrag.


Aber nicht nur der Natur- und Völkerschutz gehört zu Vrenis Arbeit. Ganz gezielt fördert sie und ihre Helfer indigene Künstler, deren Werke in Ausstellungen rund um die Welt zu besichtigen sind. Aktuell steckt Verena Regehr in den Vorbereitungen für folgende Ausstellungstermine:


▶︎ 16. Dezember 2021 - Anfang April 2022

Im Centro Cultural La Moneda in Santiago de Chile

▶︎ 18. März 2022 - Juli 2022

Im Landesmuseum in Zürich unter dem Titel: „Der Wald und seine Beschützer“



Verena vermittelt auch den Verkauf von Handarbeitskunst.

Dir lieber Leser empfehlen wir, den Termin in Zürich in Deiner Agenda vorzumerken. Jan und ich durften im Vorfeld einen Blick auf die Kunstwerke werfen und wir waren sehr erstaunt wie ansprechend und ausdrucksvoll die Werke der Indigenen aus dem paraguayischen Chaco sind.

Mit der freundlichen Genehmigung von Verena Regehr haben wir 3 Info-Broschüren kopieren und auf unserer Homepage publizieren dürfen

Ausreise Paraguay - Einreise Bolivien


Nach 2 1/2 Monaten Aufenthalt und der aktuell stetig steigenden Hitze ist es für uns Zeit Paraguay zu verlassen. Unsere ellenlange To-Do-Liste konnten wir abarbeiten und setzen somit frisch und frei unsere Weltreise fort. Für die Einreise verlangen die Bolivianer einen negativen PCR-Test und eine Bestätigung der Krankenversicherung, dass die Kosten einer evtl. Covid-19-Behandlung abgedeckt sind. Von offizieller Seite wird nach Einreise eine 10-tägige Quarantäne und nach 7 Tagen ein weiterer negativer PCR-Test verlangt. Aber dies ist nur theoretisch und niemand fragt uns danach. Papier ist geduldig…


Die weiteren Grenzvorbereitungen sehen für uns so aus: In der Cooperativa Fernheim unbedingt noch sämtliche Lebensmittelvorräte grosszügig auffüllen (Landjäger, Raclette-Käse, Bratwürste, usw.) und im Spital von Loma Plata den PCR-Test vornehmen lassen. Noch nie hatten wir einen so sanften Nasen-Rachen-Abstrich wie hier. Bei unseren letzten beiden PCR-Tests tauchten die Tester ihre Wattestäbchen jeweils so tief in die Abgründe unserer Nasen, dass wir das Gefühl hatten es kommt im Gehirn wieder raus. Aber unser Test in Loma Plata… der war eine reine Wohltat. Die hübsche Krankenschwester tupfte das eine Stäbchen nur leicht an die Naseninnenwand und das andere Stäbchen nicht weniger sanft an den Gaumen. Das war‘s. Mein Kommentar danach: „Also wenn der Test nicht negativ ist, dann weiss ich auch nicht…“



Leider nicht unser Kühlschrank, aber wir haben uns reichlich aus diesem Schrank bedient.

Würste in allen Variationen …

Käse von welchem wir nur träumen durften. 

Wir waren von der Tracht der Krankenschwester total überrascht; sie trägt die Haube zu Ehren der ersten Schwester der Kolonie.

Und wieder dieser eklige PCR-Test, diesmal auf die sanfte Art.

So gut gerüstet fahren wir auf der 835 Kilometer langen Trans-Chaco in Richtung Bolivianische Grenze. Entlang der Route sind die Wälder abgeholzt und die Länder gerodet. Solch überdimensionale bewirtschaftete Grundstücke kannten wir bisher nur aus Brasilien. Der gigantische Soja-Anbau und die enorme Viehwirtschaft fordern von der Natur einen grossen Tribut. Man hört in den Medien immer nur aus Brasilien von den abgebrannten und gerodeten Amazonas-Gebieten. Dabei scheint mir Paraguay kein Deut besser.



Bei mehr als 45 Grad Hitze kommen wir nach langer Fahrt endlich an die Grenze. Jan kümmert sich bei der Migración und dem Zoll um den Papierkram, während ich mit unserem Hund im klimatisierten Indi sitzen bleibe. Es dauert ewig bis Jan zurückkommt. „Wieso warst Du so lange weg? Was hat so ewig gedauert?“ Im Gegensatz zu den Paraguayischen Behörden wollen die Bolivianer für die Einreise einen echten Ausdruck des bestätigten negativen PCR-Tests und den hatten wir nicht. Also musste Jan das Dokument von unserem Handy auf deren System schicken, damit es dann ausgedruckt werden konnte. Es gab da nur ein klitzekleines Problem: Stromausfall! Und bis der Strom wieder kam hat es halt eine Weile gedauert.

Wie bereits bei Einreise nach Paraguay interessiert sich auch an dieser Grenze kein Mensch für den Inhalt unseres Fahrzeugs, geschweige denn für unseren Hund. Wahrscheinlich ist die grosse Hitze schuld, dass sich die Grenzleute so wenig wie möglich bewegen wollen. Gut für uns, denn somit sind wir schon in Bolivien.

Der Beweis: 45.5° Hitze draussen …

Das erste was uns auf der Bolivianischen Seite des Chaco sofort auffällt, hier ist die Natur noch in Takt. Wir ziehen vorbei an geschlossenen Wäldern mit saftig grünen Baumkronen. Die Strasse ist keine 100-Meter breite Schneise durch Landwirtschaftsflächen. Nein, hier wächst der Urwald noch bis nah an die Strasse heran. Eine Wohltat für unsere Augen. Wir sind gespannt ob das in Zukunft so bleibt, oder ob auch hier irgendwann wirtschaftsorientierte Grossgrundbesitzer die Natur zerstören werden.


Neben dem erfolgreichen Grenzübergang ist heute unser grösstes Ziel, der unerträglichen Hitze zu entkommen. Wir hoffen in den ersten Vorläufern der Anden Abkühlung zu finden. Mit dieser Hoffnung sind wir stundenlang westwärts unterwegs und freuen uns, als wir endlich auf bescheidenen 715 Höhenmetern eine zaghafte Abkühlung auf unter 40 Grad bekommen. Wir sind nicht glücklich, aber es wird dunkel und wenn es Nacht ist, kann es auf den unbefestigten Strassen gefährlich werden. Ausserdem wollen wir nicht bei Dunkelheit einen Schlafplatz suchen müssen.


Diese Nacht ist für uns ein Martyrium. Wir hoffen nie wieder in einem derart aufgeheizten Indi schlafen zu müssen.

Ein geschlossener Wald im bolivianischen Chaco empfängt uns - eine Wohltat für das Auge.

Nach den endlosen geraden Strassen im Chaco endlich wieder einmal abwechslungsreiche Fahrstrecken durch wilde Schluchten.

Tarija und das Valle de Concepción


Nach einem kurzen Besuch von Villamontes ist die Stadt Tarija unser erster mehrtägiger Standort in Bolivien. Hier wollen wir uns mit den neuen Landes-Begebenheiten vertraut machen und für die Weiterreise in die hohen Anden Kraft schöpfen.

Tarija liegt auf etwa 1‘900 Höhenmeter und hat ein sehr mildes Klima. In den Sommermonaten Dezember bis Februar kann es zu wolkenbruchartigen Gewittern kommen, aber während den übrigen Jahreszeiten ist es hier ausgesprochen niederschlagsarm.

Fernanda, die Besitzerin des Stellplatzes auf dem wir verweilen, empfängt uns mit offenen Armen. Sie ist überglücklich endlich wieder Reisende auf ihrem Campingplatz begrüssen zu können. Viel zu lange war ihr Verdienstausfall und sie hofft sehr in naher Zukunft weitere Traveller zu Gast zu haben.


Nicht weit weg von Tarija liegt das Valle de Concepción. Das spezielle in diesem Tal: hier wird Wein angebaut. Hast Du schon mal Wein aus Bolivien getrunken? Wir nicht und das wollen wir ändern, deshalb besuchen wir die Bodega „Valle d‘Vino“ für eine Degustation. Es ist Montag und Nichts los. Am Wochenende sei hier der Teufel los gewesen und die meisten Gäste seien torkelnd aus der Bodega gewankt. Nach unserer Degustation wissen wir auch warum. Sämtlichen Weinen wird beim Herstellungsprozess Zucker zugefügt und Zucker lässt den Alkohol besonders schnell und stark wirken. Aber die Bolivianer lieben den Wein nun mal möglichst süss und deshalb gilt: umso süsser, desto besser. Die Degustations-Dame wusste aber nicht, dass dies nicht für uns gilt … und wir haben uns schon gewundert warum die Degustation beim süssen Weisswein startet und beim trockenen Rotwein aufhört…

Im Anschluss an die Weinprobe dürfen wir noch einen Blick in das „Museum“ des Weingutes werfen. Es scheint für uns eher ein Sammelsurium aus allen möglichen nicht mehr gebrauchten Sachen zu sein. Da stehen alte Schreibmaschinen und Kochtöpfe, hängen alte Felle und eine Schlangenhaut, liegen verrostete Werkzeuge und Schallplattenspieler. Alles mögliche wird hier gesammelt. Der Inhaber scheint ein Messie mit Ordnungssinn zu sein. Wir finden diese Ausstellung in jedem Fall lustig.

Plötzlich breitet sich das Valle Concepción vor uns aus: grün, saftig und überall Rebstöcke.

Ups - dieser Wein hat es in sich …

Die netten Bezeichnungen zu den einzelnen Weinen - leider konnte ich den Bezug in geschmacklicher Hinsicht nicht finden.

Man könnte auch sagen: ein organisierter Messie ist hier am Werke.

Lorem

Also eines weiss ich bezüglich Alkoholproduktion: man solle nicht den falschen Alkohol verwenden. Ob dies mit diesen Geräten sichergestellt ist…?

Unglaublich was man alles Sammeln kann - egal ob alt oder neu.

Aufregende Fahrt von Tarija nach Tupiza


Um in die nächste Stadt zu kommen, müssen wir westwärts quer durch die Berge fahren. Eine wunderschöne Bergstrecke bei der es mit Serpentinen auf Höhen von 4‘300 Metern geht. Schon lange waren wir nicht mehr so nah am Himmel. Von hier oben können wir das weite Bolivien überblicken und sehen Andengipfel die über 5‘000 Meter hoch sind.

Wider Erwarten ist die Strecke sehr gut befahrbar und sogar durch einen Tunnel verkürzt. Selbstverständlich darf man sich bolivianische Bergtunnel nicht so vorstellen, wie wir sie kennen. Da drin ist es stockdunkel und es gibt keinerlei reflektierende Begrenzungsstreifen oder -pfähle. Umso schockierender ist es für uns als wir plötzlich auf die linke Fahrbahn ausweichen müssen. Mitten in der Dunkelheit sitzen am rechten Strassenrand Arbeiter, die irgendetwas arbeiten. Erschreckend stellen wir fest, dass es so etwas wie „Sicherheit am Arbeitsplatz“ anscheinend nicht gibt. Die Männer spielen mit ihrem Leben und fordern ihre Schutzengel regelrecht heraus. Wir stellen fest, in Bolivien sind die Arbeitsverhältnisse sehr ernüchternd und sind froh, keinen dieser fleissigen Strassenarbeiter „erwischt“ zu haben.



Wir fahren im stockdunklen Tunnel - kein Licht.

Und plötzlich, 10 Meter vor dem ersten Arbeiter ein Markierungs-kegel. Die Männer sind an den reflektierenden Westen nur schwach erkennbar.

Die Arbeiter malen die Seitenmarkierung neu, mit schwachen Taschenlampen zur Hilfe. Wäre uns in diesem Moment ein LKW entgegengekommen, ich weiss nicht was geschehen wäre.

Bevor wir Tupiza erreichen nächtigen wir auf einer Höhe von 2‘850 Metern. Wir wollen unsere Körper für einen längeren Aufenthalt auf über 4’000 Höhenmeter akklimatisieren. Unser Schlafplatz hat eine geebnete Fläche, die Strassenarbeiter und Dorfbewohner mal als Fussballplatz genutzt haben. Abends bekommen wir zwar noch Besuch von einem merkwürdigen Gesellen, der mit einem imaginären Telefon die Polizei über unsere Anwesenheit informiert, aber die Nacht ist ruhig und wir schlafen gut.

Als wir am nächsten Morgen weiterfahren möchten, macht uns der Indi einen Strich durch die Rechnung und streikt. Er springt zwar an, blubbert aber gleich wieder ins Aus. Er scheint keine Luft oder keinen Diesel zu bekommen. Wir versuchen ihn mehrmals zu starten, aber er kommt nichtmal auf 1‘000 Umdrehungen. Wieder und wieder zünden wir den Startprozess, bis der Motor des Sprinters endlich stabil ist und Gas annimmt. Gott sei Dank, wir können weiterfahren. Aber wir machen uns grosse Gedanken. Warum hat der Indi Startprobleme? Wir waren doch „erst“ auf 2‘850 Metern und es war überhaupt nicht kalt. Wir hoffen dies war ein einmaliges Problem…

Auf knapp 3‘000 Metern in der Stadt Tupiza


Tupiza liegt wunderschön in einem Flusstal inmitten roter Felsen. Das Klima ist kühl und trocken. Die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht sind grösser als die jahreszeitlichen Schwankungen.

Die Quechua-Bevölkerung in der Region um Tupiza hat einen hohen Anteil, deshalb sprechen knapp 50% der Bewohner die Sprache der Quechua.

Mehrmals täglich hört man lautes Tuten, welches die Ankunft eines Zuges ankündigt. Damit die Züge, die heute keine Personen mehr, sondern nur noch Minengut transportieren, in den Bahnhof ein- bzw. ausfahren können, müssen jeweils zwei verriegelte blaue Tore aufgeschlossen werden. Dies bedeutet der Bahnhof ist für die Öffentlichkeit geschlossen.

Die Menschen leben hauptsächlich vom Bergbau. Der Tourismus gewinnt zwar immer mehr an Bedeutung, ist aber noch wenig entwickelt.

Das Strassenbild wird von den sogenannten Tuk-Tuk oder Mototaxi bestimmt. Das sind dreirädrige Zweitakter, die vorne wie ein Moped gesteuert werden und hinten eine Sitzbank für die Fahrgäste haben.

In Tupiza kommen wir zum ersten Mal wieder in den Genuss auf einem richtigen Markt einzukaufen. Hier gibt es grosse Markthallen, die alles mögliche anbieten. Die Strassen sind gespickt von kleinen Geschäften und Buden, denen man von aussen nicht ansieht was sie anbieten. Und dann gibt es die klassischen grossen Strassenstände, an denen v.a. Obst und Gemüse verkauft wird.

Wir sind wieder in Bolivien! Oder im nördlichen Südamerika, wo so manches etwas anders ist als in Argentinien, Brasilien oder Chile.

Bei uns undenkbar: ein Tor verschliesst den Bahnhof. In der Schweiz wäre das Tor im Sekundentakt am Schwenken :-)

Überall sind Strassenstände präsent. Manchmal braucht es etwas Überwindung, da die Stände teilweise recht schmutzig aussehen.

Die Markthalle ist in Bolivien unser Supermarkt. Fleisch kaufen wir jedoch lieber nicht…

Dafür gibt es frisches und schönes Gemüse im Überfluss.

Für uns ist Tupiza der Ausgangspunkt unserer grossen Runde im Altiplano. Wir stecken noch in der Akklimatisationsphase und wollen deshalb ein paar Tage in der auf knapp 3‘000 Meter hoch gelegenen Stadt bleiben.

Im „La Casa del Barón“ finden wir eine geeignete Bleibe. Wie schon in Tarija werden wir auch hier mit offenen Armen empfangen. Man sei zwar auf Reisende noch nicht vorbereitet, aber dennoch sind wir herzlich willkommen. Empfohlen wurde uns dieser Stellplatz von Fernanda in Tarija, auch in der iOverlander-App ist er zu finden.

Unser Indi ist nicht alleine. Er steht zwischen 3 anderen Reisemobilen, die im März 2020 von ihren europäischen Besitzern verlassen wurden. Dementsprechend vernachlässigt sehen sie aus.

Der Betreiber des „La Casa del Barón“ heisst Mario und betreibt das Hobby „Bier brauen“. Während der Corona-Zeit, als die Gäste und somit der Umsatz ausblieb, hat er sich auf das Bier brauen spezialisiert, die Brauerei vergrössert und sich somit ein zweites Standbein geschaffen. Mario lässt sich das Malz aus Deutschland und den Hopfen aus Argentinien liefern und hat das perfekte Bier-Rezept gefunden. Wir durften das selbstgemachte Gebräu probieren und was sollen wir sagen, es schmeckt tatsächlich sehr, sehr gut.

Das ist die Brauerei von Mario.

Der letze Schritt im Brauprozess vor der Abfüllung: die Gärung.

Man beachte: mit Zapfhahn und gekühlt. Welch eine Wohltat!

Wir machen noch ein paar „Servicearbeiten“ am Indi. Der Platz ist ideal dafür.

Unser Aufbruch in den einsamen Altiplano


Am 30. Oktober nehmen wir Abschied vom Brauer Mario und seiner Familie. Mit gefüllten Tanks und Lebensmittelvorräten machen wir uns auf den Weg in die hohen Anden. Unser heutiges Ziel ist es einen Schlafplatz zu finden, der zwischen 3‘500-4‘000 Höhenmetern liegt. Wir möchten langsam unsere Körper an die dünne Höhenluft gewöhnen und deshalb noch nicht über 4‘000 Metern übernachten. Tatsächlich finden wir entlang der Bergstrasse einen ebenen Platz mit wunderbarer Aussicht auf 3‘750 Metern. Hier bleiben wir erstmal und verbringen eine traumhafte Nacht unter einem gewaltigen Sternenhimmel.


Dort unten liegt Tupiza, eingebettet zwischen roten Felsen.

Als wir am nächsten Morgen weiter rollen wollen, zieht uns abermals der Sprinter einen Strich durch die Rechnung. Wieder haben wir Probleme beim Start des Motors. Wieder hört es sich so an, als bekäme er keine Luft oder keinen Diesel. Unser Indi kommt einfach nicht auf Touren und nimmt kein Gas an. Bei der Problemsuche landen wir mit unseren Überlegungen auf dem vorgeschalteten Zusatz-Dieselfilter. Könnte es sein, dass er verstopft ist? Immerhin sind wir in Bolivien und Bolivien ist dafür bekannt miserablen Treibstoff zu verkaufen. Wir hängen den Zusatzfilter ab und versuchen erneut den Motor zu starten. Ein lautes Brrrrrm ist zu hören und der Sprinter läuft. Super, Fehler gefunden. Wahrscheinlich haben wir tatsächlich irgendwann mal dreckigen Diesel getankt der den Zusatzfilter verstopft hat. Gut hat man so ein Ding unter der Haube und drum drehen wir nach einer weiteren Nacht an diesem schönen Ort wieder nach Tupiza um, um einen neuen Zusatz-Dieselfilter zu kaufen und einzubauen.

mbo

Plan 

November 2021

Wir wollen entlang der Anden nach Norden und somit in Richtung Perú… 


wenn wir nicht ein Problem mit dem Indi haben…

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