August 2020

Gefahrene Strecke: 597 Km

Zeitzone: MESZ -5 Std.


Ein klein wenig Bewegungsfreiheit



Trotz der drastisch ansteigenden Covid-19 - Fallzahlen in Argentinien, bringt uns der Monat August ein klein wenig Bewegungsfreiheit. 

Route:

Belén - Cuesta La Chilca - El Rodeo - Las Juntas - Belén

Cuesta La Chilca mit Sicht in den Campo Belén

Trotz der drastisch ansteigenden Covid-19 - Fallzahlen in Argentinien, bringt uns der Monat August ein klein wenig Bewegungsfreiheit. Wir dürfen mit Freunden deren Finca im nördlich gelegenen Hualfín besuchen und erhalten die Genehmigung für einen mehrtägigen Ausflug innerhalb der Provinz Catamarca. Unser Antrag für die Fahrt zu den Thermen nach Fiambalá wurde zwar abgelehnt, aber wir sind guten Mutes, dass wir dieses Ziel im September erreichen werden.

Der 1. August -
nicht nur die Schweizer zelebrieren diesen Tag




Für Samstag, den 1. August laden uns Mari und Walter Falcone dazu ein, den Tag mit ihnen zu verbringen. Sie möchten im rund 60 Kilometer entfernten Hualfín nach ihrer Finca sehen und würden sich freuen, wenn wir sie dabei begleiten würden. Selbstverständlich sagen wir dazu „Ja“ und so machen wir uns bereits am frühen Morgen des 1. Augusts mit unserem motorisierten Zweirad auf den Weg in die Stadt Belén zum Haus der Familie Falcone.


Heute am 1. August ist nicht nur der Schweizer Nationalfeiertag, sondern auch der „Día de la Pachamama“, was so viel bedeutet wie „Tag der Mutter Erde“. Walter weiht uns in die Tradition ein, heute einen Aufguss aus dem Kraut der „Ruda“ zu trinken. Ja, nicht nur in Europa, sondern auch bei den indigenen Völkern Südamerikas wird die Garten- bzw. Weinraute dem Glauben nach dazu benutzt, das Böse zu vertreiben.



Das Kraut Ruda


Nachdem wir uns also vom Bösen frei getrunken haben starten wir unsere Reise. Auf dem Weg nach Hualfín machen wir ein paar Besorgungen, damit auch für das leibliche Wohl gesorgt ist.










Nach etwa einer 3/4-stündigen Fahrt auf der Ruta 40 nordwärts, biegen wir kurz vor dem Ort Hualfín links auf einen Feldweg ein. Wir müssen durch ein Tor, das gut bewacht ist und nur Eigentümer der Ländereien durchlässt. Wenige Kilometer weiter erreichen wir die Finca, welche inmitten einer sehr gepflegten Weinplantage steht. Auf Anhieb fühlen wir uns an diesem Fleckchen Erde wohl und verstehen voll und ganz, warum Mari und ihr Mann Walter dieses Stückchen Erde so sehr schätzen. Man könnte beinah sagen der Ort mit seiner herrlichen Umgebung wirkt magisch.









Noch in Belén:  das frisch zubereitete Gericht „Mote“ 

Die traumhaft gelegene Finca Walfinca

Zufällig erfahren wir, dass heute ganz in der Nähe der Walfinca (wie Walter seinen Weingarten liebevoll genannt hat), von den Einheimischen der Tag der Pachamama zelebriert wird. Die Nachbarn laden uns dazu ein, diesen Tag mit ihnen zu feiern. Was für eine Ehre und so machen wir uns auf den Weg zum Ort des Geschehens.


Die Menschen stehen um ein gegrabenes Loch und daneben liegen auf einer Decke viele leckere Lebensmittel. Von Pizza über Empanadas zu Kartoffelchips und Süssigkeiten. Es sind Getränke aller Art vorhanden. Man denkt, jetzt gibt es ein Festessen für alle. Dies ist aber nicht so. Das Loch im Boden symbolisiert den Mund der Mutter Erde. Zum Dank, dass sie uns das ganze Jahr mit Lebensmittel versorgt, bekommt sie heute etwas von den Menschen zurück. Ausserdem ist Winter und so kann man der aktuell wenig fruchtbaren Tierra Madre über die Runden helfen. Jeder Zeremonie-Teilnehmer nimmt nun das Lebensmittel welches ihm selbst am liebsten ist, wirft ein Stück in den Schlund der Erde und beisst dann davon ab. Bei einem Getränk (z.B. Wein oder Coca-Cola) schüttet man erst einen grossen Gutsch ins Loch, bevor man selbst einen Schluck nimmt. Ausserdem bekommt jeder die Möglichkeit mit eigenen Worten der Mutter Erde zu danken: für die Nahrung, für die Gesundheit, für die Sonne, für die Familie, für die Freunde, für das Leben. Eigentlich für Alles worüber man dankbar sein kann. 































Die Zeremonie wird begleitet vom Gesang einer jungen Frau, und dem rhythmischen Klopfen ihrer Handtrommel. Bedächtig singt sie wiederholt, jedoch in diverser Intensität folgenden Vers:


































Tierra es mi cuerpo,

agua es mi sangre,

aire es mi aliento y

fuego mi espíritu


Erde ist mein Körper,

Wasser ist mein Blut,

Luft ist mein Atem und

Feuer mein Geist


Das Video zeigt einen 

Zusammenschnitt der 

familiären und friedlichen 

Feier zur Ehre der Pacha Mama 

vom 1.8.2020

Nach der Pachamama-Feier setzen sich alle Menschen zusammen und es gibt ein grosses Festmahl. Mari, Walter, Jan und ich verweilen noch ein wenig mit der Gesellschaft, eh wir zufrieden und dankbar zur Finca zurückkehren.


Das einfach eingerichtete Wohngebäude der Walfinca ist umgeben von im Moment kahlen, aber akkurat geschnittenen Weinreben. Etwa 2/3 der Trauben verkauft Walter an die örtlichen Winzer. 1/3 des Traubenanbaus ist dazu gedacht, direkt von der Rebe in den Mund zu wandern oder Saft daraus zu machen. 









Dem Spaziergang durch die Weinreben schliesst sich eine kleine Wanderung über das trockene Flussbett zur nahegelegenen roten Sandsteinwand an. Unseren Hunger stillen wir mit Sandwiches und mitgebrachtem „Mote“, eine herzhafte Beléner Spezialität, ähnlich einem deftigen Eintopf.



















































Lieber Leser, wenn Du Lust hast Dich detaillierter über Pachamama zu informieren, dann kannst Du das über folgenden Link tun: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Pachamama


Walter hat seinen Spass in einer Sanddüne - er rollt sich einfach den Hang hinunter

Und wiederum werden wir von einer vielfältigen Landschaft umgeben - hier quasi in einem Tempel der Antike

Viele Fotos werden geschossen …

Liebe Mari, lieber Walter, wir danken Euch vielmals für diesen ganz speziellen Tag, dessen Eindrücke und Bilder wir in guter Erinnerung behalten.

Ein Arztbesuch kostet Zeit und viel Geduld




Nachdem Jan wegen seiner Nierensteine im Juli beim Arzt war, nutze ich die Gelegenheit des „langen Seins“ in Belén für einen Besuch beim Augenarzt. Noch nie habe ich mir den Augeninnendruck messen lassen und das wollte ich nun mal ändern.


Das „Ärztehaus Calchaquí“ in Belén beherbergt die Sprechzimmer diverser Allgemein- und Fachärzte. Täglich sieht man vor den Türen des Hauses lange Schlangen von wartenden Menschen. Möchte man einen Termin, muss man die Schalteröffnungszeiten beachten. Die Terminvergabe basiert auf dem System „first come, first served“. Obwohl die Terminvergabe erst um 15:30 Uhr öffnet, warten die Kranken schon Stunden vorher um möglichst an erster Stelle zu sein. Da das Arzthaus ein öffentliches Gebäude ist, stehen die Türen offen und man kann direkt im Wartesaal Platz nehmen. Wenn es dann also wirklich halb Vier Uhr wird, dann ist die Wartehalle bereits von Kranken gefüllt. Jetzt werden aber sämtliche Personen von den Sprechstunden-Hilfen dazu aufgefordert das Haus wieder zu verlassen und sich draussen auf dem Gehsteig erneut in Reih und Glied anzustellen. Denn bei Eintritt in den Wartesaal ist es Pflicht, dass sich jeder Einzelne durch die Arztgehilfin die Körpertemperatur messen lässt und die Hände desinfiziert.


Als ich mich um 15:45 Uhr in die Schlange für den Augenarzt einreihe, bin ich bereits Patientin Nummer 12 desselben. Einen Termin im Voraus zu bekommen (sich z.B. für den nächsten Tag auf Platz 1 setzen zu lassen) ist nicht möglich. Also zahle ich die Gebühr für die Konsultation von umgerechnet 6 CHF und setze mich in den bereits gedrängten Wartesaal im 1. Stock des Gebäudes. Man sagt mir der Arzt beginnt um 16:30 Uhr mit der Sprechstunde. Kommen tut er aber erst um 17:15 Uhr. Bis Herr Doktor dann tatsächlich mit Patient Nr. 1 zu praktizieren beginnt, ist es schon nach halb sechs. Glücklicherweise habe ich meinen „tolino“ mit einem spannenden Buch dabei, so kann ich mir die Zeit ein wenig vertreiben. Immer wieder kommen Leute ausser der Reihe und werden bevorteilt behandelt. So bin ich um 20:30 Uhr nicht Patientin Nummer 12, sondern mit den ganzen Sonderfällen dazwischen eher die Nummer 18 die endlich ihre Untersuchung bekommt. Immerhin, Jan hat mit seinen Nierensteinen im Juli sogar mal bis 22:00 Uhr auf seinen Arzt warten müssen.


Erschreckend für uns ist die Tatsache, dass in einem Haus der Gesundheit so viele kranke Menschen auf engem Raum dermassen lange auf ihren jeweiligen Arzt warten müssen. Zwar haben die meisten Leute einen Mundschutz an, aber der liegt meistens nur über dem Mund oder hängt baumelnd um den Hals. Sitzt hier jemand mit Sars-CoV-2 in den Reihen, ist der Virus schnell verbreitet. Da die wartenden Patienten gesundheitlich eh schon angeschlagen sind und dazu häufig ein hohes Alter haben, ist Covid-19 schnell eine tödliche Angelegenheit. Aber in Belén gibt es ja keinen Corona-Virus...


Kleiner Auszug aus einem Gespräch:

Mann ohne Mundschutz: 

Marita mit Mundschutz: 

Mann ohne Mundschutz: 

Marita mit Mundschutz: 

Mann ohne Mundschutz: 

Marita mit Mundschutz: 

Mann ohne Mundschutz: 

Wieso tragen Sie einen Mundschutz?

Um mich und andere Menschen vor dem Corona-Virus zu schützen.

Wissen Sie denn nicht, dass es hier in Belén gar keinen Corona-Virus gibt?

Wissen Sie denn ob ich Virusträgerin bin?

Wie lange sind Sie denn schon in Belén?

Seit 19. März.

Dann können Sie den Virus ja gar nie bekommen haben...


So denken die Menschen hier... unglaublich aber wahr

Aussergewöhnliche Besuche in La Banda




Neben den Gästen die wir zu uns auf den Platz zum Asado oder zum Drohne-fliegen-lassen eingeladen haben, waren im August noch 2 Überraschungsbesuche dabei:



Überraschungsbesuch Nummer 1

Wer unseren Reisebericht vom Monat Juni gelesen hat weiss, wir durften in der Provinz-Hauptstadt Catamarca die „Encendios Forestales“ kennen lernen (Waldbrand-Bekämpfer). Damals hat uns Gustavo die Stadt gezeigt und viel Zeit mit uns verbracht.

Jetzt im August also, eines schönen Dienstagnachmittags kommt unerwartet ein orangefarbenes Auto der Defensa Civil Catamarca zu uns auf den Platz. Es steigen 5 Männer in Feuerwehruniform aus. Der sympathische Gustavo besucht uns mit seinem Team. Die Wiedersehens-Freude ist riesig und wir laden die gestandenen Mannsbilder auf ein Bier ein. Sie erzählen, sie seien aufgrund eines Waldbrandes gerade in der Region gewesen und wollten die Gelegenheit nutzen Jan und mir einen Überraschungsbesuch abzustatten. Diese freudige Überraschung ist dem Team von der „Encendios Forestales“ bestens gelungen. 

Herzlichen Dank nochmal an Gustavo und sein Team für den spontanen Auftritt bei uns in La Banda.

Als wir Emilio, dem Direktor der Defensa Civil Belén vom Spontanbesuch der Fire-Fighters erzählen, ist er etwas enttäuscht. Denn die Feuerwehr-Männer haben ihn nicht besucht, sondern nur gefragt wo Jan und Marita wohnen.


Überraschungsbesuch Nummer 2

Wiederum an einem Dienstag im August, diesmal aber zur Morgenstunde überrascht uns auf unserem Campingplatz ein weiterer Besuch. Der elegant gekleidete Herr mit Hut grüsst uns mit einem spanischen „Buenas Días“ um dann mit einem „Mit mir könnt Ihr deutsch sprechen“ fortzufahren. Also die gar nicht spanische „Sorpresa“ ist jetzt wirklich gelungen. Joachim und seine Frau Ruth sind aufgrund der Corona-Situation ebenfalls im März hier in Belén gestrandet. Wir rätseln wie es sein kann, dass wir erst jetzt und auf eigene Initiative davon erfahren. Ruth ist ganz ursprünglich aus Belén und deshalb haben die beiden hier ein Häuschen, das sie während der bereits 5-monatigen Ausgangssperre bewohnen und renovieren. Eigentlich war das Pensionärs-Pärchen im März nur zu Besuch in Belén. Dass daraus jetzt ein so langer Aufenthalt wird, hätten sich die beiden auch nicht träumen lassen.

Ein wenig wandern in und um Belén




Damit unsere Knochen nicht einrosten gehen wir zwischendurch Wandern, bzw. wir versuchen die Hügel und Täler rund um Belén zu erkunden. Dazu muss man sagen, es sind keine richtigen Wanderwege denen wir folgen, sondern eher Trampelpfade durch trockene Bachläufe, denen entlang wir zwischen die Hügel geraten. Stachelige Gewächse verhindern dass wir jeweils den Wasserlauf verlassen können, dafür müssten wir schon eine Machete dabei haben.

Die Wandervögel

Walter Falcone hat dieses Rezept von seinen Vorfahren und er steht heute gemeinsam mit einer guten Freundin, deren Vorfahren ebenfalls Italiener sind, in der Küche um das Gericht zuzubereiten. Die Basis für dieses Gericht ist die Sosse, welche unter ständigem Rühren zubereitet wird. Anstelle von Käse (wie beim klassischen Käse-Fondue) wird Milch und Rahm verwendet. Die weiteren Zutaten sind viel Knoblauch, salzige Sardellen und klein gehackte Walnüsse. Gewürzt wird mit schwarzen Pfefferkörnern und frisch geriebener Muskatnuss. Die Sosse wird auf einem Rechaud ins Zentrum des Tisches gestellt und die vielzähligen Beilagen werden darin getunkt. Eine äusserst feine Variante und gute Alternative zu einem Käse-Fondue.


Jetzt bleibt nur noch eine Frage: „Wer hat‘s erfunden?“

Familie Falcone lädt zu „Bagna Cauda“ ein




Am Sonntag, den 16. August sind wir zu einem ganz besonderen Essen eingeladen: das Gericht heisst „Bagna Cauda“. Jan und mir völlig unbekannt sind wir echt gespannt was uns erwartet. Dieses Gericht, einem Käse-Fondue nicht unähnlich, hat seinen Ursprung in Italien. 

Ausflug machen? - ohne „Permiso“ geht gar Nix




Mitte August ist es endlich so weit. Wir haben davon gehört, dass in der Provinz Catamarca der „Turismo Interno“ geöffnet wird. Für uns ein Grund dies auszunutzen und einen Ausflug zu den Thermen von Fiambalá zu starten. Wir fragen beim COE (Comité Operativo de Emergencia) nach ob es möglich sei nach Fiambalá zu reisen, tatsächlich zeigt man uns den Daumen nach oben. Als wir dann aber effektiv voller Vorfreude mit gepacktem Indi das Permiso (die Erlaubnis) für die geplante Fahrt abholen wollen, werden wir enttäuscht. Die Gemeinde Fiambalá hat gerade gestern Abend in einer Sitzung beschlossen, sich noch nicht dem geöffneten „Turismo Interno“ anzuschliessen. Wir werden es im September noch einmal versuchen...

Die Sehnsucht zum Reisen in unbekannte Gegenden treibt uns an …

Wir haben uns an die Gepflogenheiten in Latein-Amerika noch immer nicht gewöhnt: Man bekommt einen Tipp/Rat, aber die vollständige Info wird einem nicht mitgeteilt, so z.B. spezielle Öffnungszeiten. Wir werden es noch lernen - Immer genau nachfragen!

HURRA - 

ein Permiso nach El Rodeo




In östlicher Richtung scheint der interne Tourismus lockerer zu sein, denn wir erhalten die schriftliche Erlaubnis von Belén, über Andalgalá in die schöne Region um El Rodeo fahren zu dürfen.


So starten wir glückselig am Freitag, dem 21. August unsere Reise mit dem Ziel El Rodeo. Die erste Strassenkontrolle ist am Ortsausgang von Belén - Papiere sind in Ordung und ja, wir dürfen raus. Die nächsten Strassenkontrollen sind jeweils am Ortsein- und -ausgang vom 80 Kilometer entfernten Nachbardorf Andalgalá. Die Kontrolleure sind äusserst freundlich und lassen uns passieren. Die vierte Kontrolle erreichen wir nach weiteren 50 Kilometern. Hier wird unser Fahrzeug von aussen komplett sprüh-desinfiziert und uns wird gesagt, wir dürfen die Route nach El Rodeo keinesfalls verlassen. Unser Plan war eigentlich noch ein kleiner Abstecher entlang der RP48 nordwärts, aber stattdessen werden wir nun direkt auf die RP1 in südliche Richtung geschickt. Etwas nördlich von Singuil finden wir einen Übernachtungsplatz wo wir den Abend in Freiheit geniessen und eine wunderschöne Aussicht über die sanften Hügel bewundern.


Am Samstagmorgen sind wir noch keine Stunde unterwegs, als wir Strassenkontrolle Nummer 5 erreichen. Es werden unsere Papiere gecheckt und Körpertemperatur gemessen. Ausserdem bekommt unsere Fahrer- und Beifahrer-Tür je ein Siegel. Damit soll sicher gestellt werden, dass wir bis zur nächsten Strassenkontrolle nicht aussteigen. Kurze Anmerkung: unsere Schiebetür wurde beim Versiegeln vergessen. Da wir in Los Varela aber in die Berge abbiegen und nicht auf der normalen Route weiterfahren, gibt es bis ins weitere 70 Kilometer entfernte El Rodeo keine Strassenkontrolle mehr. Was machen wir nun mit den versiegelten Türen? Dürfen wir die jetzt aufreissen? Damit wir nichts verkehrt machen steuern wir in El Rodeo direkt das Polizei-Komisariat an. Da wir offiziell nicht aussteigen dürfen, rufen und klatschen wir zum Gebäude hin und hoffen, dass uns jemand hört. Tatsächlich kommt ein Polizist und fragt uns nach unserem Anliegen. Wir erklären unsere Situation mit dem Siegel und der Polizist verschwindet erstmal im Präsidium. 

Lautes Gelächter ist zu hören. Jan und ich könnten schwören, dass wir, bzw. unsere Situation damit gemeint sind. Nun werden wir von dem Polizisten und seiner Kollegin zum Krankenhaus eskortiert, wo wir auf Fieber untersucht werden und ein Dokument ausfüllen und unterschreiben müssen. Ab jetzt sind wir „frei“. Unser erstes Ziel in El Rodeo ist die Tankstelle. Leider bietet diese nur den schlechten Diesel an und angeblich ist die Tankstelle in Los Varela eh günstiger. Also beschliessen wir auf dem Rückweg unseren Tank zu füllen.


Die beliebte und uns sehr häufig empfohlene Gegend um El Rodeo ist jetzt in den Wintermonaten etwas trist. Die Bäume sind noch kahl und die Böden mehr braun als grün. Für uns ist klar, wir werden im Sommer, wenn hier alles saftig grün ist und die Bäche und Flüsse voll frischem Wasser sind, wiederkommen.







Nachdem wir in Las Juntas am Fluss übernachtet haben treten wir über den selben Weg den wir gekommen sind die Rückreise an. Wir finden in Los Varela sogar die billigere Tankstelle, aber die ist leider geschlossen und macht erst morgen früh wieder auf. Glücklicherweise ist unser Diesel-Zusatztank noch voll und so können wir mit einem einfachen Knopfdruck den Brennstoff vom Reserve- in den Haupttank umpumpen.



Blick talwärts auf das kleine Dorf Las Juntas

So liebt der Overlander das Reisen - ein Übernachtungsplatz irgendwo, aber schön und ruhig gelegen

Wehe das Siegel ist gebrochen ….

Im Winter eine Seltenheit in Catamarca - fliessendes Wasser in solch grossen Mengen

Das Highlight dieser Strecke ist die „Cuesta La Chilca“. Eine irrsinnig schöne und spannende Serpentinenstrasse, die wir sicher nochmals irgendwann unter die Räder nehmen werden. 









An diesem steilen Abhang mit den starken Aufwinden fühlen sich Anden-Kondore wohl. Diese segeln ohne einen einzigen Flügelschlag stundenlang dahin und es ist eine wahre Pracht diesen Flugkünstlern zuzusehen. 







An der oberen Kante der Serpentinen-Piste, mit grandioser Aussicht und gleich neben der Gebetsstätte zur heiligen Jungfrau verbringen wir die Nacht. Die wenigen Verkehrsteilnehmer, die hier unterwegs sind machen Halt bei der „Virgen“, um kurz Andacht zu halten oder eine Kerze anzuzünden. Auf diesem Weg lernen wir weitere Argentinier kennen, die uns sogar anbieten den Sommer bei ihnen auf der Finca zu verbringen. Warum? Sie haben Mitleid mit uns, weil wir den Sommer im heissen Belén verbringen müssen. Somit haben wir gelernt: die Menschen die oben in den kühleren Bergen wohnen, halten die Leute für verrückt, die den Sommer im sehr heissen Belén freiwillig verbringen.


Zu guter Letzt haben wir am Montag bei der Abfahrt der Cuesta La Chilca noch ein Erlebnis, auf das wir gerne verzichtet hätten. Da die Strasse sehr eng ist und Jan vorausschauend fährt, halten wir frühzeitig an um ein entgegenkommendes Fahrzeug vorbei zu lassen. Der rasante Autofahrer der uns in dieser unübersichtlichen Kurve überholt, dachte wohl wir würden stehen bleiben um ihn vorbei zu lassen. Prompt kommt es zum Zusammenstoss der beiden Autos. Glücklicherweise gibt es nur Blechschaden und den Personen ist weiter nichts passiert. Nicht auszudenken wenn der Überholer überreagiert, die Kurve nicht mehr gekriegt hätte und den Abhang hinunter gestürzt wäre...

Unsere Drohne Maja hat mal wieder guten Dienst geleistet. Indi ist unten rechts noch erkennbar.

Der Blick einmal in Richtung Westen in die Ebene und einmal in Richtung Osten auf die Hochebene von „Las Estancias“

Unsere Belén-Box wird endlich geliefert




Da wir nur noch 1 Reserverad haben und der Platz in der Halterung unter dem Kofferraum frei ist, haben wir beschlossen uns eine Kiste schweissen zu lassen, in der wir selten benötigte Ersatzteile aufbewahren können. Der Handwerker hat eigentlich versprochen innerhalb von 10 Tagen zu liefern. Letztendlich mussten wir aber 5 Wochen Geduld haben, bis die Kiste endlich montiert werden konnte.



Unsere Fahrt nach El Rodeo war dann die Testfahrt für die Dichtigkeit der Metall-Box. Sie hat den Test leider nicht bestanden, denn als wir sie geöffnet haben war sie voller Staub. Jan hat nun die Dichtung ausgewechselt und jetzt hoffen wir, dass unsere Ersatzteile staub- und hoffentlich auch wasserfrei bleiben werden.

Die Abnehmer sind ganz schwach zwischen Platine und Plastik-Verschalung erkennbar - gerade mal 2 mm Platz um an diese ran zu kommen.

Kaputte TRUMA-Heizung -
und das im Winter




In unserem Monatsbericht vom Juli haben wir von unserer defekten TRUMA-Heizung erzählt. Im Gegensatz zur Herstellerfirma, die uns keinerlei Hilfestellung geboten hat, haben uns einige Freunde und Kollegen, bzw. Newsletter-Leser gute und interessante Tipps für eine mögliche Reparatur geschickt. Also nehmen Jan und ich uns der Sache noch einmal an und fangen an zu tüfteln. Wir bauen die Fernsteuerung der Heizung aus und kontrollieren sämtliche Kabel auf ihre Leitfähigkeit. Ein Kabelbruch können wir somit ausschliessen. 


Der nächste Schritt braucht etwas Mut, denn wir entschliessen uns die Fernsteuerung komplett auseinander zu nehmen und uns genauestens anzusehen. Das äussere Steuerrädchen ist über Metall-Abnehmer mit der Platine verbunden. Diese Abnehmer verschieben sich mit jeder Drehung. Da das Metall im Steuerrad uns allgemein etwas korrodiert erscheint, kommen wir auf die Idee die Abnehmer mit feinstem Schmirgelpapier abzuschleifen, was uns auch gelingt. Alles wieder eingebaut starten wir einen Versuch: YES die Heizung springt an. Waren es nun wirklich die korrodierten und jetzt abgeschmirgelten Abnehmer? Wir hoffen es. Ab jetzt brauchen wir morgens beim Aufstehen nicht mehr zu frieren.



Um diesen Schalter geht’s  …

Hier und jetzt nochmal Dankeschön an unsere mitdenkende und helfende Leserschaft, insbesondere an Rudi und Bruno.

An die Firma Truma: 

es braucht keine hoch dekorierten Techniker, 

es braucht keine neue und teure Aggregate oder Steuerungsplatinen


billiges Schmirgelpapier und 

uns zwei Bürogummis Jan und Marita

haben zur Reparatur genügt


Mit ein wenig Hilfe und Einsatz seitens Firma Truma hätten wir ein paar Wochen weniger frieren müssen und uns die Kosten der Ersatzteile, welche nun für ca. 3 Monate unterwegs nach Paraguay sind, sparen können.  Wir erinnern uns: „ …wir können Ihnen nicht helfen … besorgen Sie sich die Ersatzteile beim deutschen Fachhandel …“ 


Wir würden uns freuen mit diesem Beitrag zur Stärkung des After-Sales-Management beizutragen.

Unsere neue Freundin


Schon seit Anbeginn unserer Tage im „Complejo Turístico La Banda“ Ende April, gibt es hier auf dem Gelände 3 Hunde. Von Anfang an haben wir den Kötern klar gemacht wo ihre Grenzen sind, bzw. wo unser Territorium beginnt und sie Nichts zu suchen haben. Das hat bisher sehr gut gewirkt. Die zwei Rüden halten sich strikt daran und versuchen uns wirklich nicht zu nahe zu kommen. 


Anders ist das bei dem Weibchen. Die Hundedame war wochenlang angekettet, bzw. angeleint. Wie sagt man? Kettenhund? Sie konnte schon gar nicht in unsere Nähe gelangen. Das hat sich im August geändert. Die Hündin ist, warum auch immer, nicht mehr angekettet und sie beginnt ihre Freiheit auszukosten. Sie erscheint uns mager und wir haben das Gefühl, dass es ihr in ihrem bisherigen Leben nicht sehr gut gegangen ist. Jan hat irgendwann die Idee Hundefutter zu kaufen und der Hundedame ein wenig Speck anzufüttern. Mit der jeweils abendlichen Fütterung versuchen wir ihr drei Kommandos beizubringen: Bleib, Hier und Sitz. Gar nicht einfach für ein Tier das es nicht gewohnt ist Befehle zu erhalten. Und dennoch, wir haben das Gefühl sie fängt an zu lernen und es macht ihr sogar Spass. Es gibt Tage an denen lässt sie sich überhaupt nicht bei uns blicken und an anderen Tagen holt sie sich ihre Streicheleinheiten, die sie selbstverständlich auch bekommt (auch von mir Hundehasserin Marita). Da wir nicht wissen wie ihr wirklicher Name ist, nennen wir sie einfach Banda. Wir sind gespannt ob wir es schaffen, der Hündin Banda die Kommandos noch perfekt beizubringen.



Banda

Den Strick noch um den Hals, aber doch frei … jedoch sehr dünn 

Markt in Belén




Am Sonntag, den 30., und somit zum Abschluss des Monats August, findet in Belén ein Markt statt, an dem man Handarbeiten kaufen und Selbstgebackenes und Eingemachtes erstehen kann. Keine Frage nehmen wir unseren Rucksack auf den Buckel und marschieren los um den Markt auf Leckereien zu erkunden. Wer kommt mit? Unsere neue Freundin Banda und zwar ganz freiwillig. Wir merken schnell, dass das Vieh den Strassenverkehr überhaupt nicht kennt und auf der Brücke eine wahre Gefahr darstellt. Läuft sie doch einfach mehrmals quer über die Brücke ohne auf den Verkehr zu schauen. Glücklicherweise sind die Argentinier es gewohnt auf streunende Tiere zu achten und bremsen für unsere mitgebrachte Banda. Es wäre kein Wunder gewesen, wenn sie auf dieser Brücke beim intensiven Sonntagsverkehr den Tod gefunden hätte.


Es sind etwa 5 Kilometer bis zum Marktplatz. Dort angekommen entdecken Jan und ich schnell ein paar bekannte Gesichter, mit denen wir uns unterhalten. Die Hündin scheint von den vielen verschiedenen Gerüchen ganz aus dem Häuschen zu sein und sucht sich ihren eigenen Weg durch die Stände. Auf der Fería treffen wir u.a. die Mitarbeiter der Defensa Civil und Emilio mit seiner Familie. Ausserdem kommt noch Walter Falcone auf den Platz, mit dem wir eine Runde drehen und feine Leckereien probieren und kaufen.




Wir laden Walter dazu ein, mit uns auf dem Campingplatz Kaffee zu trinken und noch ein wenig zusammenzusitzen. Wir steigen zu dritt in Walters PickUp und fahren nach La Banda. Da wir zu Fuss zum Markt gelaufen sind nehmen wir an, der Hund findet selbst den Nachhauseweg. Als das Tier Abends um 20:00 Uhr aber immer noch nicht Zuhause ist bekommen wir ein schlechtes Gewissen und machen uns auf die Suche. Mit unserem Moped fahren wir in der hereinbrechenden Dunkelheit bis zum Marktplatz, auf dem bereits alle Stände abgebaut sind. Nur wenige Menschen sind noch dort. Tatsächlich entdecken wir hier unsere Banda, die verwirrt einer jeden Person hinterher rennt, die noch auf dem Platz zu finden ist. Als sie unsere Rufe hört wirkt sie aufgeregt und weiss erst nicht wohin. Als sie uns endlich ortet, kommt sie mit stark eingezogenem Schwanz und legt sich zu unseren Füssen. Die Verwirrte scheint überglücklich zu sein uns gefunden zu haben. Wir legen ihr das mitgebrachte Seil um den Hals, das sie sich gerne gefallen lässt. Bereitwillig trabt sie neben unserem Moped bis wir zurück am 5 Kilometer entfernten Campingplatz ankommen. Das Tier ist fix und fertig. Wir nehmen ihr das Seil ab und lassen sie in Ruhe. Sie legt sich hin und bewegt sich erstmal gar nicht mehr. Es scheint so, von diesen Eindrücken muss sich die Hündin erst mal erholen.

Wir kaufen gar Tomaten-Marmelade … noch nie gehört  … schmeckt super

mbo

Plan September

Wir wollen die Lockerungen der Ausgangssperre nutzen und ein paar Ausflüge innerhalb der Provinz Catamarca unternehmen. 


Unsere Home-Base bleibt weiterhin das Städtchen Belén.

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